Über mich


Gedicht von meinen Kindern
zum 65. Geburtstag

Liebes Geburtstagkind,
wir hier zusammengekommen sind
um zu feiern ein liebes Geburtstagskind.
Schier 70 Jahre alt ist unser Vater nun,
denkt noch nicht daran, sich auszuruhen.
Dabei ist das Leben  hart mit ihm umgesprungen,
keine gute Fee hat einst an seiner Wiege gesungen.
1935 er im Sudetenland geboren ward,
ein hübsches Büblein klein und zart.
Nur 3 Jahre war der Kleine alt,
als Mutter mit Ihm flüchtete vor Hitlers Gewalt
Zu seiner Einschulung kehrten Sie Nach Sandhübel zurück,
und es gab wieder etwas Familienglück.
Doch schon bald zogen dunkle Wolken herauf,
das Kriegsschicksal begann seinen düsteren Lauf.
Außer Schule gab`s Hitlerjugend und Soldaten,
sicher träumte er damals von Heldentaten.
Stattdessen erfolgte die Flucht mit Mutter nach Königsgrätz,
dann wieder zurück; war das eine Hetz!
Die Front kam näher, dann kam das „AUS“,
die Russen kamen, besetzten Dorf und Haus.
Enteignung hieß das böse Wort,
alle mussten aus ihren Häusern fort.
Bei einem Bauern im Zimmerschen klein,
durftet Ihr am Abend wieder zusammen sein.
Mutter musste im Steinbetrieb arbeiten hart,
der Armen blieb wirklich nichts erspart.
Vater war die meiste Zeit weit fort,
oft wusstet Ihr nicht, an welchem Ort.
Im Sommer `46 dann die Aussiedlung kam,
die auch dann noch die Heimat nahm.
Zuerst habt ihr in Lagern gehaust
Nachdem man euch gesäubert und entlaust.
Als ihr endlich habt eine Wohnung bekommen,
hat für dich auch wieder die Schule begonnen.
Die Mutter musste wieder zur Arbeit gehen,
vom Vater war weit und breit nichts zu sehn.
Die Nachricht kam: im Krieg vermisst,
wie das in solchen Zeiten leider üblich ist.
Übers Rote Kreuz ward schließlich entdeckt,
der Vater in Dienethal bei Oma und Opa Storck steckt.
So ist der Junge dann 1948 zu Vater gegangen,
und ein neues, mehr geordnetes Leben hat angefangen.
In der Schule hatte er`s zuerst sehr schwer,
was er einst gelernt wusste er nicht mehr.
Darum der Lehrer oft verlauten ließ:
„Aus dir, mein Lieber, da wird mal nix!“
Gottlob, Lehrer können auch nicht alles wissen,
das hat unser Vater im späteren Leben oft bewiesen.
1949 war`s mit der Schule aus
und er musste nun ins Berufsleben hinaus.
Das verlief nun ganz und gar nicht in geordneten Bahnen,
war eher ein Chaos, wie sich lässt erahnen.
Wollt man den ganzen Werdegang auflisten,
wir würden alle morgen früh noch hier sitzen.
Darum möchte ich mich ganz kurz zusammenfassen,
er war eins Hansdampf in vielen Gassen.
Hat viel gelernt und viel erlebt,
vorwärts zu kommen war er bestrebt.
Hat am Ende auch sehr viel erreicht,
doch sein Leben war wirklich nicht leicht.
Nach vielem Hin und Her, Auf und Ab,
er sich schließlich in die Hände der Banken begab.
Das war vorerst beruflich die Endstation,
von 1964 bis 1998 bezog er hier seinen Lohn.
Von hier aus ist er ungeniert
Im Juli `98 in den Ruhestand marschiert.
Doch wer da denkt, dass er jetzt Rentner wär,
kann ich nur sagen: „wie irrt sich der“.
Er findet immer was zu tun
Für ihn existiert es nicht, das Wort „ausruhn“.
Doch wollen wir diese Seite seines Lebenslaufs jetzt beenden
Und uns dem Kapitel „Familienplanung“ zuwenden.
Denn wo kämen die vielen Kinder her,
wenn da nicht irgendwann ein liebes Weibchen aufgetaucht wär.
Er behauptet von sich, ein Spätzünder zu sein,
weil er mit Mädchen sich nicht ließ viel ein.
Er hatte zwar ein Mädchen aus Misselberg,
aber in punkto Liebe hielt die ihn eher für`n Zwerg,
weil er lieber war mit seinen Freunden beim Skat,
auch mit Schnapsaktionen nicht hat gespart.
Erst Weihnachten 1955 es dann plötzlich geschieht,
als er zum ersten Mal seine Christel sieht.
Da war es sofort um ihn geschehen,
mit dieser Frau wollte er durch Leben gehen.
Verliebt, verlobt, schließlich mit dem Ehestand,
im Dezember 1957 die erste Geburt stattfand.
Es war seine Tochter sie wurde Ingrid genannt,
na ja, Sie ist euch allen ja wohlbekannt.
Der männliche Erbe traf 1959 ein,
er blieb nicht am Leben, es sollte nicht sein.
Zu dieser Zeit beruflich in Wilhelmshaven gebunden,
hat sich dort 1961 auch Frau und Tochter eingefunden.
Da die Familienzusammenführung gut geglückt,
Töchterchen Sylvia im Herbst `61 das Licht der Welt erblickt.
Im Dienst der Maine muss an oft auf See hinaus,
Frau und Kinder blieben dann allein zu Haus.
Auf die hält das die liebevollste Frau nicht aus,
drum zog auch Frau Christel zurück ins Elternhaus.
Nach beendeter Dienstzeit als „Marine-Maat“,
verschlug es ihn beruflich 1964 nach Stuttgart.
Die eheliche Gemeinschaft wurde trotzdem aufgenommen,
sonst wäre Dorothee 1963 wohl nicht zur Welt gekommen.
Nach nunmehr 7 Ehejahren mit viel Trennungszeit,
war es 1964 schließlich und endlich soweit,
dass die Familie in Dienethal ein Zuhause fand,
Tochter Birgit Januar 1965 noch fester knüpfte das Band.
Die Wohnung wurde zu klein, man hielt die enge nicht mehr aus,
so reifte der Entschluss: wir bauen ein Haus.
Das alles war gut und wohlgetan, sah man daran,
dass im Januar 1967 kam Töchterchen Kerstin an.
Nun war es komplett, das 5-Mädel-Haus,
doch wo blieb der Junge, verflixt, Ei der Daus.
Es wurde dieser und jener Versuch unternommen,
so ist im Mai 1968 Sohn Torsten auf die Welt gekommen.
Die Familienplanung jetzt zu Ende war,
und es vergingen allzu schnell die Jahr.
Vater war fleißig, die Mutter auch,
so ist das von altersher der Brauch.
Um den Kindern eine gute Ausbildung zu geben,
müssen die Eltern sich abrackern im Leben.
Sind sie dann gut geraten, tun Freude bringen,
ist man stolz und freut sich des guten Gelingen.
„Doch mit des Geschicken Mächten
Ist kein ewig Bund zu flechten
Und das Unglück schreitet schnell“
Im Dezember 1978 traf uns alle der harte Schlag,
unsere liebe Mama einer bösen Krankheit erlag.
Wie sollte das Leben nun weitergehen,
was würde mit uns allen ohne Muter geschehen?
Doch Vater warf die Flinte nicht ins Korn,
biss auf die Zähne, blickte nach vorn,
setzte sich noch einmal auf die Schulbank, fing zu lernen an,
nach 4 Jahren büffeln er die mittlere Reife gewann.
Eine Stelle als Außendienstleiter hat er so bekommen,
und für das Familienleben mehr Zeit gewonnen.
Es wurden die Ferien zusammen verbracht,
im Winter auch mal Skiurlaub gemacht.
Eine gute Fee schickte uns eine gute Dame ins Haus,
die schaute manches Jahr auf Ordnung für Vater und Kinder aus.
Doch dann im Sommer 1990 Vater der Hafer stach,
in Thüringen spielte er verrückt, sah einer Jüngeren nach,
vergessen die guten taten der lieben Fee von so manchem Jahr,
mein lieber Vater, das war nicht recht, fürwahr.
Du glaubtest, noch mal jung zu sein,
und fielst am Ende selber rein.
Deine holde Bärbel ließ Dich einfach sitzen,
um mit einem gewissen Hartmut davonzuflitzen.
Nun standest Du da, aus und vorbei
Und obendrein noch allerlei Scherereien.
Doch Gottlob heilt die Zeit auch die schwersten Wunden,
und auch Du hast schließlich herausgefunden,
dass die Familie doch die beste Bindung ist,
wenn der Zusammenhalt gewährleistet ist.
So sehen wir Dich heute hier mit 65 Jahren,
hast im Leben viel gelitten, viel erfahren;
Aber niemals hast Du den Mut verloren,
bist nicht untergegangen;
ich glaube, wir brauchen auf für Dein weiteres Leben
nicht zu bangen.
Du Bist uns in vielen Dingen ein Vorbild gewesen,
hast uns auch oft die Leviten gelesen.
Dankbar erkennen wir an, was Du für uns getan.
Mehr zu tun, von einem Vater man wahrlich nicht verlangen kann.
Eines wünschen wir alle von Herzen Dir,
Das auch noch in 10, 20 Jahren Dir möge schmecken das Bier.
Und darauf wollen wir jetzt alle unser Glas erheben:

PROST DEM GEBURTSTAGSKIND, MÖGE ES NOCH LANGE LEBEN!!!!